Projekt Paria & Jinua

Projektlaufzeit 03.2008 – 12.2017

Unterricht in Jinua

HAUPTZIEL der Projekte in den beiden Schulen Paria und Jinua war es durch die Vermittlung fundierter Englischkenntnisse, den Zugang zu innovativen Lern- und Unterrichtsmaterialien sowie den

Ausbau transversaler und sozialer Fähigkeiten (IKT Informations- und Kommunikationstechnik Kompetenzen, Medienkunde, Teamarbeit, interkulturelle Bildung, Nachhaltigkeitsbildung, arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten etc.) jungen Menschen vor Ort in Peru berufliche Möglichkeiten in der eigenen Region, beispielsweise im weiten Feld des Tourismus, zu eröffnen.

Zur Situation der Schule in Paria vor Ort:

Als Verein wurden wir von der ländlichen Bevölkerung sehr gut akzeptiert und in der Umsetzung des Unterrichts unterstützt.

Mit unserer Kernschule San Cristóbal de Paria arbeiteten wir über 9 Jahre hinweg erfolgreich zusammen. Von Beginn an, als das Projekt 2008 von Dr. Corinna Pummer-Pilaj mit einer Schulklasse von 30 Kindern gestartet wurde, konnte ein gutes und nachhaltiges Fundament für eine langjährige Zusammenarbeit gebildet werden, von der wir bis heute profitieren.

Der Direktor unterstützte uns dadurch, dass wir in den Klassen der Primaria von Schulstufe 3 bis 6 Englisch an seiner Schule unterrichten dürfen. In der Secundaria gab es 5 Schulstufen, hier wurde der Englischunterricht von den staatlichen Lehrern übernommen. Bei der San Cristóbal de Paria Schule handelte sich um eine staatliche Bildungseinrichtung, jedoch gab es bis vor kurzem keinen staatlich finanzierten Englischunterricht an dieser Institution. Seit 2016 hat die peruanische Regierung zumindest in der Secundaria marginal ein paar Englischstunden eingeführt. Bei der Unterrichtsqualität und den spezifischen Aspekten fürs Sprachenlernen wurde von den bisherigen Direktionen jedoch enormer Verbesserungsbedarf bemängelt. In Kooperation mit Aufwind ist es durch LehrerInnenfortbildungen sowie einem VolontärInnen-Austauschprogramm zur Steigerung der Lehr- und Lernleistungen gekommen. Die Kinder haben eine stabile Aussicht auf Unterricht, wenngleich auch in Peru öfter gestreikt wird. An der Schule in Paria werden ca. 400 SchülerInnen unterrichtet, davon mehr als die Hälfte der SchülerInnen Englischunterricht durch peruanische MitarbeiterInnen und österreichische VolontärInnen von Aufwind. Diese kamen extra dafür in die Schule.

Wir finanzierten mit unseren Spendengeldern die Bezahlung der Aufwände von 3 Lehrerinnen in Paria und 1 Lehrerin in Jinua für den Englischunterricht. Wir sorgten für den Zugang zu fundierten Schulmaterialien und für Innovationsaustausch bezüglich Fremdsprachunterricht (Bücher, Hefte, Stifte, multimediale Lehrbehelfe, interaktive Methoden, Didaktik etc.) Unsere österreichischen VolontärInnen unterstützten unser peruanisches Lehrpersonal mit ihrem Wissen und ihren Kompetenzen aus ihrer Praxis. Es wurde mit den Kindern gebastelt, gesungen, Sport betrieben und spielerisch Englisch gelernt. Englisch wird dabei als Unterrichtssprache jederzeit verwendet. Im Rahmen von Workshops engagierten sich österreichische VolontärInnen auf unterschiedlichste Weise. So ist es gelungen den Heranwachsenden ein vielfältiges und umfassendes Bildungsangebot geboten zu haben, welches neben den Fremdsprachenkenntnissen auch soziale und transversale Fähigkeiten förderte. Im Rahmen der Workshops wurden aktuelle, globale als auch interkulturelle Themen bearbeitet, wie beispielsweise Kinderrechte, der Körper in der Pubertät, Interkulturelles Lernen, IKT-Kompetenzen usw.

Die Kinder tragen Schuluniformen für welche die Eltern aufkommen müssen. Leider fehlen vielen Eltern die Mittel, um ihren Kindern eine solche Schuluniform zukommen zu lassen. Die Menschen in Paria, Wilcahuain und Umgebung sind Campesinos (Bauern) und leben auf dem Land. Sie haben sehr einfache Häuser, oft auch nur Hütten aus Lehm. Wasser gibt es meistens nur aus Bächen, der Strom fällt sehr oft aus oder ist in abgelegenen Gebieten noch gar nicht vorhanden. Die Menschen leben von der Landwirtschaft und ein wenig Viehzucht. Die meisten Familien haben mehrere Kinder, wobei vielen Mädchen eine fundierte Ausbildung noch verwehrt wird. Oftmals müssen sie zu Hause auf kleinere Geschwister aufpassen, im Haushalt und am Hof mitarbeiten.

Die Grundstücke gehören dem Staat, die Eltern und Lehrer sind jedoch dafür verantwortlich zu sorgen, dass alles ordentlich und gesetzesgetreu erledigt wird. Wenn wir etwas bauen oder verbessern wollen müssen wir um Erlaubnis bitten.

Nach Ende der Pflichtschulzeit sind die Heranwachsenden zwischen 16 oder 17 Jahre alt. Von den rund 35 SchülerInnen der letzten Klassen geht zurzeit nur rund 1% weiter an eine Universität um zu studieren. Viele bleiben zur Unterstützung der Eltern zu Hause, helfen die Felder zu bepflanzen, kümmern sich um die Pflege und Haltung von Tieren oder wandern mit großen Hoffnungen in größere Städte ab, um dort in prekären Jobs ihren Unterhalt zu verdienen. Für die meisten SchülerInnen gibt es nach der Schule nur eingeschränkte Zukunftsperspektiven.

Um in Peru an eine Hochschule zu gelangen ist ein recht vorbereitungsintensiver Prozess zu bewältigen. Prinzipiell kann jede/r StaatsbürgerIn aufs College gehen, muss aber zuerst eine sehr komplizierte und schwierige Prüfung bestehen. Alle StudentInnen müssen an einer sog. Vor-Akademie studieren, um sich für die Aufnahme an der Universität vorzubereiten, wenn sie in einer öffentlichen Universität studieren möchten. Hingegen ist die Aufnahme an privaten Universitäten etwas einfacher, hier geht es hauptsächlich darum, die recht hohen Studiengebühren monatlich zu bezahlen.

Auch die Vorbereitungsphase (meist 1-3 Jahre) auf den speziellen Vorbereitungsakademien ist sehr kostspielig und stellt für viele aus finanziellen, aber auch zeitlichen Gründen (in der Zeit fehlt den Familien eine wichtige Arbeitskraft zu Hause) eine große Hürde dar.

Zur Situation Schule in Jinua vor Ort:

Durch den Aufenthalt und das Mitwirken unserer ehemaligen MitarbeiterInnen und Obleute Mag.ª Angelika Felsner und Stefan Felsner Bakk.phil. im Sommer 2014 und die tolle Vorarbeit der VolontärInnen vor Ort, konnten wir im Jahr 2014 eine neue Projekt-Partner-Schule in Jinua gewinnen. Unser neues Englischprojekt in Jinua wurde im August initialisiert, startete mit September 2014 und umfasst die dort ansässige Grundschule. Jinua ist ein sehr kleines Dorf in der Nähe von Paria und innerhalb des Schulgeländes ist ein Kindergarten integriert. Die Schule selbst umfasst nur eine altersheterogene Schulklasse mit insgesamt 15 SchülerInnen im Alter von 6 bis 10 Jahren – eine kleine und feine Schulsituation. Hier werden auch 3 Integrationskinder unterrichtet. Spezielle Betreuung gibt es leider keine. Nach den vier Schuljahren wechseln die SchülerInnen nach Paria in die große Schule. Der hoch motivierte Klassenlehrer Billy Huerta Urbano, der zugleich auch der Direktor der Schule ist, hieß Aufwind Peru herzlichst und mit offenen Armen willkommen. Die Zusammenarbeit mit Aufwind war immer sehr bereichernd.

Für Aufwind Peru bestand die Besonderheit in der Kooperation mit Jinua einerseits darin, dass durch den Schulwechsel nach Paria, die Kinder weiterhin den Englischunterricht genießen können und bereits entsprechende Vorkenntnisse haben. Andererseits können durch die Größe der Schule mit nur einer Schulklasse viele Workshop Ideen unserer VolontärInnen in die Realität umgesetzt werden, da der bürokratische Aufwand gering bleibt. Für das Jahr 2015 und 2016 lag ein besonderer Fokus auf der Förderung der Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Innerhalb des Englischunterrichts sollen spezielle Angebote für die Kinder von unseren Lehrerinnen in Zusammenarbeit mit den VolontärInnen erarbeitet und umgesetzt werden.

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